Andreas Lindebner Trekking

Our friend, trekker and outdoor enthusiast, Andreas Lindebner, shares his detailed journal of his first forray into the breathtaking Norwegian fjells.

Tag 1: Anreise von München nach Bodø.

Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker. Das leckere Frühstück mit einem frischen Croissant gibt die letzte Stärkung. Gegen 8:15 Uhr hole ich Flo ab, wir packen kurz zusammen und dann geht es weiter zu Niko. Die letzten Sachen werden eingepackt bzw. ausgetauscht.

Die Ausrüstung wird noch einmal gecheckt. Mit dabei ist das Robens Osprey 2 Zelt, der Robens Caucasus 600 Schlafsack, die Robens ReCharge 5.0 Schlafmatte und die Ambleside C66 Trekkingstöcke.

Inzwischen haben wir etwas Übung und das verpacken und einchecken der Rucksäcke am Flughafen geht schnell. Vor dem Flug gibt es noch Burger und Steak. Die Zeit vergeht schnell und nach 2 Stunden Flug sind wir in Oslo.

Wir müssen unser Gepäck nochmal einchecken und erneut durch die Security. Unser Flieger nach Bodø startet auch zeitig und wir sind nach etwas mehr als einer Stunde Flugzeit endlich am Zielort. Jetzt geht es wirklich bald los!

Zu Fuß (!) gehen wir in ein paar Minuten zu unserem Hotel, checken ein und machen uns auf zum Spiritus kaufen. Das Hotel, ein Radisson Blu, ist etwas in die Jahre gekommen, aber insgesamt gut.

Im Sportgeschäft im Zentrum gibt es leider keinen Spiritus. Wir verschieben den Kauf auf den nächsten Morgen und gehen erst einmal ein letztes Bier trinken und eine Pizza bei Pepe's Pizza essen.

Im Hotel werden die Rucksäcke marschbereit gepackt und wir gehen zeitig ins Bett. Da der Rucksack sehr voll ist, kommt das Zelt und die Matte zunächst außen an den Rucksack. Mit den wasserdichten Packsäcken geht das wunderbar.

Morgen geht es endlich los!

Tag 2: Zugfahrt von Bodø nach Mo i Rana und Tourstart

Im Hotel gab es erst einmal ein langes, ausgiebiges Frühstück. Wir hatten ja Zeit, denn unser Zug nach Mo i Rana fährt erst um 12:30 Uhr.

Nach dem Frühstück ging es im strömenden Regen in den Ort, um Spiritus zu kaufen. Leider hatte keines der Sportgeschäfte einen und so haben wir erst in einem Baumarkt, etwas außerhalb des Ortes etwas gefunden. Frisch ausgerüstet mit zwei Flaschen Rødsprit ging es zurück. Zumindest ging es uns besser als den Teilnehmern eines Triathlons, der in der Früh gestartet war.

Um 12:27 ging es in den Zug nach Mo i Rana und der Schwager eines ehemaligen Arbeitskollegen vom Flo hat uns am Bahnhof abgeholt. Gegen zwei Flaschen Jägermeister als Bezahlung hat er uns dann zu unserem Ausgangspunkt am Svartisvatnet, etwa eine halbe Fahrstunde nördlich von Mo i Rana, gefahren. Auf der Fahrt dorthin hat es leider immer stärker begonnen zu regnen.

Am Parkplatz der Anlegestelle des Ausflugsbootes haben wir uns verabschiedet. Direkt am ersten Haus haben wir ein junges Paar aus Traunstein getroffen, die dort gerade ihr frühes Abendessen (es war ca. 16:30 Uhr) gemacht haben. Sie haben uns die Info gegeben, dass der Weg am See entlang unpassierbar ist, da er total überflutet war. Kurzentschlossen haben wir uns diesen Teil dann doch erspart und sind mit der letzten Fahrt des kleinen Bootes zum anderen Ende des Sees gefahren. Der Kapitän hat uns für etwas verrückt erklärt, als er uns am anderen Seeufer abgesetzt hat.

Auf der Fahrt haben wir gewettet, wie viele Menschen wir auf unserem 12-tägigen Trip treffen werden.
Niko: 5; Flo: 10; Ich: 8.

Die Rucksäcke waren voll bepackt und mit 27kg auf dem Rücken ging es nun richtig los.

Über einen markierten Weg ging es über Steinplatten zum Austerdalsvatnet. Das Wetter war immer noch schlecht, aber der künstliche Ausfluss und der zugehörige Fluss zwischen den beiden Seen waren nicht weniger beeindruckend. Am südwestlichen Seeufer haben wir dann, nachdem es aufgrund der Nässe und der Lage des Geländes nicht anders möglich war, unser erstes Camp aufgeschlagen. Wir hatten einen tollen Blick auf den Austerdalsisen. Der Platz war im Endeffekt doch halbwegs trocken und die Zelte haben gut hingepasst.

Nun ging es das erste Mal daran, das Osprey 2 Zelt auch in nicht optimaler Umgebung aufzubauen und zu benutzen. Der Platz war leicht abschüssig und sehr moosig sowie, bedingt durch den Dauerregen, stark durchnässt. Das Zelt lies sich leicht aufbauen, lediglich die Apsis blieb etwas schief, aber das lag am Gefälle des Zeltplatzes. Einmal die Schlafmatte mit Luft gefüllt, dann merkte man den unebenen Boden nicht mehr. Bereits in der ersten Nacht war ich froh, dass ich mich für den Caucasus 600 Daunenschlafsack entschieden habe. Trotz der Kälte, der Gletscherarm war gerade einmal 500m entfernt, war mir schön warm. Den ersten Härtetest hat das Osprey 2 mit Bravour bestanden. Keine Nässe vom tropfnassen Moosboden und keine Nässe durch den Dauerregen ist eingedrungen. Meine selbstgenähte Unterlage für die Apsis war ebenfalls goldwert. Mein Rucksack und die Ausrüstung in der Apsis blieben so sauber und trocken.

Tag 3: Austerdalsvatnet bis Mitte Austerdalen

Bei starkem Regen ging es am südlichen Ufer des Austerdalsvatnet entlang. Im Schneckentempo, weil es glatte, zum See hin abfallende Granitplatten waren. Teilweise extrem rutschig, gerade an den Stellen an denen von oben Bäche über die Platten flossen. Es gab immer die Gefahr den Halt zu verlieren und direkt bis in den See abzurutschen. Teilweise mussten wir an den Kanten der einzelnen Platten auch klettern.

Für die knapp 4km haben wir bis 12:30 Uhr, also weit mehr als zwei Stunden gebraucht.

Zur Mittagspause am Ende des Sees waren wir guter Dinge, dass ab jetzt das Vorankommen besser werden sollte. Doch die Hoffnung wahrte nicht lange. Der Weg ins Austerdalen war bereits kurz nach dem See auf unserer  südlichen Seite unpassierbar. Wir mussten also das erste Mal einen Fluss furten! Der Respekt davor war bei allen sehr groß. Es wusste ja keiner so wirklich, was uns erwartet. Also Hose aus, Schuhe gewechselt und rein in das eiskalte Wasser. Es ging jedoch erstaunlich gut!

Auf der anderen Seite sind wir kurz einem Tierpfad gefolgt, der allerdings sehr bald an weiteren Klippen der Granitplatten endete. Dieses Mal waren die Kanten/Klippen teilweise 20 und mehr Meter hoch, weshalb wir immer wieder Durchgänge oder Kletterpassagen suchen mussten. Das war oftmals, auch wegen des anhaltenden Regens, schwer und auch gefährlich. Ein zweites Mal furten blieb uns dann auch nicht erspart, aber auch das ging, obwohl uns das Wasser bis zum Oberschenkel reichte, wieder gut.

Der Boden war sehr moosig, sumpfig und stark bewaldet. Das Vorankommen war sehr mühsam. Viel Klettern und Weg suchen. Es hat ewig gedauert auch nur etwas Strecke zu machen und war insgesamt zermürbend.

Die letzte kleine Furt haben wir dann in den Wanderschuhen gemacht – die waren sowieso schon bei allen komplett durchnässt.

Nach ein paar Stunden sind wir auf eine große, trockene Lichtung am Fluss gekommen. Nachdem wir schon recht bald erkannt haben, dass wir unser geplantes Tagesziel nie erreichen werden, haben wir dann an der Lichtung Schluss gemacht und in einer kleinen Regenpause unsere Zelte aufgeschlagen.  Eine insgesamt gefährliche Etappe ging zu Ende. Obwohl wir nicht einmal die Hälfte der Strecke geschafft haben, waren wir alle heilfroh, dass bei der Kletterei nichts passiert ist!

Was für ein Einstieg in wegloses Wandern in Norwegen!

Tag 4: Mitte Austerdalen bis Pikhaughytta

Wir waren wieder früh wach, haben uns allerdings dann sehr Zeit gelassen. Um 10 Uhr ging es dann los – sogar zunächst ohne Regen. Wir haben gehofft schnell bis zum See zu kommen und etwas Strecke zu machen – leider vergebens.

Das Gelände war wieder genau so schwer wie davor. Nass, dicht bewachsen und immer wieder diese Granitstufen/-klippen. Zwischenzeitlich mussten wir auch wieder etwas klettern.

Gegen 13 Uhr haben wir uns dann an der Nordseite des Sees, zunächst an Felskanten, durch dichtes Unterholz und bei starkem Regen, bis zu Hütten durchgeschlagen. Leider ist dabei die Spitze meines linken Stockes gebrochen. Zum Glück so, dass es repariert werden konnte. Ob der Robens Ambleside C66 Stock etwas dafür konnte glaube ich nicht. Ich bin weggerutscht, die Spitze des Stockes unter einen Stein gekommen und dieser Stein hat wie ein Hebel auf den Carbonstock gewirkt. Carbon hält leider seitliche Belastungen nicht so stark aus. Vermutlich wäre auch jeder andere Stock gebrochen. Zum Glück war der Bruch sehr gerade und weit unten, wodurch ich den Stock einfach ein paar cm länger ausgefahren habe und ihn nahezu gleichwertig weiterverwenden konnte. An den Hütten haben wir Mittagspause gemacht. Schnell war klar, dass wir das eigentliche Tagesziel vom Vortag, die Pikhaughytta heute als Tagesziel anpeilen.

Von der Hütte führte dann ein Trampelpfad in unser Tal hinein und auch die Hütte stand bereits angeschrieben. Das Wetter wurde auch besser und dank des Weges sind wir gut vorangekommen. Einige Höhenmeter mussten auch hier überwunden werden, aber die sensationellen Blicke auf Gletscher, Felskanten und Wasserfälle haben mehr als entschädigt. Auch der Ausblick auf eine Hütte ermutigte.

Kurz vor der Hütte haben wir dann erste Leute gesehen. Unsere Befürchtungen, dass die Hütte belegt, war schienen sich zu bewahrheiten. Immer mehr Zelte kamen ins Blickfeld. An der Hütte selbst stellte sich dann heraus, als wir mit zwei Lehrern gesprochen haben, dass hier ein Schulausflug mit 25 Kindern stattfand. In der Hütte schlief allerdings niemand. Unsere Wette, wie viele Menschen wir treffen, hatte sich damit erledigt.

Niko und Flo haben sich dann aufgemacht mit unserer kleinen, in Bodø gekauften Ausrüstung zu angeln. Zuvor haben wir unsere Klamotten in der Hütte aufgehängt. Der kleine Ofen war eine Wohltat!

Die Schüler dort, alle so um die 18 Jahre, haben einen Fisch nach dem anderen herausgezogen. Vermutlich war Ihre Angelausrüstung auch etwas besser als unsere ... Nach kurzer Zeit kam ein norwegischer Schüler und hat uns seinen recht großen Fisch geschenkt. Er mochte ihn nicht und sein Lehrer hat ihm gesagt, dass wir recht lange wandern wollen und bestimmt sehr viel Hunger haben.

Unter Tags hat meine neue Kamera immer wieder etwas gesponnen. Leider lies sie sich nun inzwischen garnicht mehr einschalten.

Tag 5: Pikhaughytta bis Anfang Vesterdalen

Es ist morgen und die Sonne scheint. Wir wachen alle zeitig auf. Flo hat schon einmal das Feuer in der Hütte angeschürt. Wir haben in den Zelten geschlafen, da in der Hütte selbst nur zwei Betten waren. Inzwischen weiß ich die Größe des Osprey 2 richtig zu schätzen. Ich kann bequem innen sitzen und mich somit auch einfach umziehen. Der Rucksack mit der Ausrüstung liegt in der Apsis und alle Kleidung bei mir im Innenzelt. Für eine Person ist das somit ideal. Zu zweit würde ich es allerdings zu eng finden.

Alle Sachen, auch unsere Schuhe, sind wieder trocken. Zum Frühstück gibt es heute noch Rührei mit dazu. Wir trödeln wieder einmal rum und starten gegen 10 Uhr.

Wir folgen dem Ratschlag des Lehrers und kommen, bis auf ein kurzes Mal „falsch abgebogen“ gut voran. Wir überqueren den Fluss, der aus einem gigantischen Wasserfall entsteht recht weit oben, da wir den Trampelpfad verloren haben. Die Furt klappt gut, aber es stellt sich schnell heraus, dass hier kein Weiterkommen ist. Der Frust ist groß, als wir die Schulklasse locker und leicht, etwa 200m von uns entfernt, auf der anderen Seite des Flusses hinunterwandern sehen. Also wieder Fluss furten und auf der anderen Seite weiter. Der Pfad ist auch bald wieder gefunden und führt bis zum Flatisvatnet. Unten angekommen haben wir die Schulklasse wieder eingeholt. Sie haben für die Strecke 1:15 Std und wir 3 Std gebraucht!

Der See entschädigt jedoch wieder atemberaubend!

In der Mitte türmt sich ein rießiger Granitberg wie ein Turm auf, darum türkises Wasser und steile Felswände. Oberhalb schaut immer wieder der Gletscher hervor.

Am See entlang bis zum Taleingang geht es gut, dann wird es steil. Wir bleiben auf der rechten Seite des Flusses und quälen uns über Steine und Felsblöcke bergauf und bergab. Auf der anderen Seite sieht es flach, einfach und grün aus. Eine frühe Furt auf die linke Seite wäre im Nachhinein betrachtet viel sinnvoller gewesen.

Nach wenigen Kilometern und sehr viel Zeit wollen wir dann doch furten. Doch der Fluss ist hier viel zu tief und die Strömung zu stark. Der Frustrationsgrad liegt bei 95%!

Wäre der Anblick nicht so sagenhaft und das Wetter so gut, wir wären wohl schon längst umgedreht.

Wir entscheiden, direkt am Fluss zu campieren. Eine halbwegs gute Stelle haben wir gerade passiert und hoffen, dass der Fluss morgen früh etwas niedriger ist.

Wir diskutieren noch viel, ob und wie es weitergehen kann. Wir überlegen Alternativen, aber eine richtige Entscheidung werden wir wohl erst beim Frühstück treffen.

Es weht ein eiskalter Wind und hat knapp über 6 Grad und so gehen wir bereits gegen 20 Uhr ins Bett. Der Caucasus 600 schafft es auch jetzt wieder, innerhalb von ein paar Minuten ein angenehmes Wärmepolster aufzubauen und so ist der kalte Wind auch schnell vergessen.

Und die Kamera ist tatsächlich kaputt ...

Tag 6: Anfang Vesterdalen bis See auf 720m

Die Tiefsttemperatur in der Nacht lag bei 2,1 Grad und auch beim Frühstück haben wir bei 3,5 Grad noch gefroren.

Der Fluss war ca. 20cm niedriger und wir haben uns entschlossen zu furten und unseren Weg Richtung Gletscher fortzusetzen. Das Wetter war auch wieder klasse.

Die Furt war grenzwertig. Eine weite Strecke und das Wasser war richtig eiskalt. Stellenweise so tief und mit sehr starker Strömung, dass es nasskalte Eier gab, aber wir haben es wieder geschafft. Ich bin sehr positiv überrascht: Obwohl der Stock vor zwei Tagen gebrochen ist, lässt er sich perfekt weiter verwenden. Ich belaste ihn voll und auch der Halt auf fast jedem Untergrund ist sehr gut. Wenn man weiß, dass der linke Stock keine Spitze mehr hat, dann ist das nicht selbstverständlich.

Auf der linken Flussseite war das Vorankommen wesentlich besser. Teilweise am Anfang noch felsig, aber insgesamt ging es gut. Nach ca. 4 Std. haben wir das Talende des Vesterdalen erreicht. Bis hierhin wollten wir heute mindestens kommen. Das Wetter war sagenhaft. Keine Wolke und viel Sonne. Immer wieder hat sich der gigantische Gletscher links und rechts gezeigt. Die Landschaft war unglaublich beeindruckend und schön.

Wir wollten noch weitergehen, uns aber nicht wieder total im Gelände versteigen, deswegen haben wir das GPS und die Wegführung mit der Karte abgeglichen.

Wir kamen nach kurzer Zeit zum Nedre Terskaldvatnet und Niko und Flo haben beim Zulauf die Schuhe zum furten ausgezogen. Ich bin so durch. Die Schuhe waren kurz nass, aber die Füße blieben trocken.

Einen steilen Anstieg haben wir noch gemeistert und gleich danach unsere erste Rentierherde auf einem Schneefeld entdeckt.

Kurze Zeit später haben wir unsere Zelte an einem kleinen See aufgeschlagen. Dass die Kamera nicht mehr funktioniert, ärgert und frustriert mich unglaublich. Extra neu gekauft. Man hätte so viele tolle Bilder machen können.

Tag 7: Unbekannter See bis Ostufer Bogvatnet

In der Nacht ist es bis auf 0,4 Grad abgekühlt und auch am Morgen war es noch sehr kalt. Das Wetter war allerdings wieder sagenhaft und wir waren voller Tatendrang um heute zum Gletscher zu kommen. Hoffentlich können wir dann auch drüber ...

Sofort nach unserem Camp ging es steil bergauf. Keine leichte Aufgabe mit müden und kalten Muskeln. Sicherheitshalber haben wir immer wieder auf das GPS geschaut, um die richtige Route zu finden. Wir kamen gut voran und nach 1:30 Std. haben wir den ersten Blick auf den Gletscher werfen können: WOW! Sehr beeindruckend!

Und das Beste: Unsere Route sah, soweit wir sie einsehen konnten, größtenteils schneefrei aus.

Kurz vor dem Gletscher haben wir die Steigeisen angelegt und nach einer kleinen Pause ging es dann aufs Eis. Ein mulmiges Gefühl war es schon. Auf dem Weg waren einige große Spalten und Schneefelder, die wir umgehen mussten. Das flaue Gefühl und die Anspannung blieb jedoch irgendwie die ganze Zeit. Wir kamen aber ohne Probleme gut voran und haben nach ca. 1:30 Std. auf dem Gletscher den größten Teil geschafft. Wir kamen auf unserer Zwischenstation, ein paar Felsen die sich beim Punkt 1087 befanden, an. Dort haben wir in der Sonne Mittagspause gemacht und erst einmal unseren ersten Teilerfolg genossen. Auch der letzte, kürzere Teil des Gletschers, ein Seitenarm in ein Tal Richtung des Sees Bogvatnet war komplett aper.

Wir haben die Steigeisen wieder angeschnallt und kamen sehr schnell, weil es auch bergab ging, voran. Flo hatte leider etwas Probleme mit seinen Steigeisen und musste ein paar Mal neu anlegen. Nach weiteren 30 Minuten haben wir dann endgültig den Gletscher verlassen.

Wir haben es geschafft! Die größte Unsicherheit, der spektakulärste Teil unserer Route war, ohne Probleme in 3:30 Std. gemeistert.

Dem kurzen Tal Richtung Bogvatnet sind wir weiter gefolgt. Eine zweite Rentierherde leistete uns dabei, immer in ca. 200m Entfernung, Gesellschaft. Direkt am See haben wir eine gute Stelle zum Zelten gefunden und um 16 Uhr beenden wir den Wandertag. Leider war die Sonne sehr schnell weg und es pfiff ein eiskalter Wind. Gegen 19 Uhr haben wir uns dann in die Schlafsäcke bzw. Zelte verzogen.

Unser neues Tourenziel sollte nun das Stormdalen und der Bahnhof Dunderland sein. Wir hoffen, dass wir das in den verbleibenden Tagen schaffen.

Bisher haben wir, bis auf die Schulklasse keine anderen Menschen, auch nur aus der Entfernung, gesehen. Die Einsamkeit und Natur wurde lediglich dadurch getrübt, dass der Gletscher genau in der Flugroute zwischen Bodø und Mo i Rana lag.

Tag 8: Ostufer Bogvatnet bis Eingang Litlstormdalen

Wie vermutet war es in der Nacht sehr kalt. Minus 1 Grad! Aber Zelt und Schlafsack haben mollig warm gehalten. Durch das Kondenswasser im Zelt (die Lüftungen habe ich wegen des eiskalten Windes geschlossen gelassen) ist der Schlafsack im Fußbereich etwas feucht geworden. Dadurch sind wohl meine Füße auch etwas kalt geworden. Hier wäre ein wasserabweisender Teil am Außenmaterial wohl perfekt. Eine wirkliche Chance den Schlafsack zu trocknen habe ich wohl erst wieder am Abend. Jetzt wird er wieder auf sein wirklich sehr kleines Packmaß gepresst und kommt in den Rucksack.

Um kurz vor 9 Uhr sind wir aufgebrochen und erst einmal am Südufer der Bogvatnet entlang. Leider war es sehr neblig bzw. bewölkt und wir konnten wenig von der Landschaft sehen. Am Ende des Sees sind wir auf die erhofften Wegmarkierungen gestoßen. Obwohl diese manchmal etwas schwer zu finden waren, sind wir ihnen in das Blakkådalen gefolgt. Die eingezeichnete Furtstelle konnten wir glücklicherweise von Stein zu Stein überqueren. Auf der anderen Talseite ging es dann wieder bergauf. Leider blieben die Wolken, aber wir konnten dennoch einige Blicke auf den Fingerbreen, einen Ausläuferarm des Svartisen Gletscher werfen. Das Tal insgesamt war sehr beeindruckend, da von der westlichen Seite Gletscherausläufer die Seitentäler sehr markant geformt haben.

Wir sind dem Weg bis zum Nedre Fossbecken gefolgt. Von dort aus ging es steil, wieder mit Hilfe des GPS, in recht gerader Strecke noch einmal ca. 200hm über einen Pass. Leider hat es dort angefangen leicht zu regnen. Über den Pass selbst ging es wieder einmal über Steine und Felsen. Einen Campplatz haben wir recht bald unterhalb des Passes, am Eingang des Litlstormdalen, gefunden. Eiskalter Wind, niedrige Temperaturen und der Regen haben uns zum Essen in die Zelte gezwungen. Ich habe die Tür zum Innenzelt offen und esse somit quasi in der Apsis. Die beiden Außentüren musste ich leider wieder ganz schließen, da es bei Regen doch hereinregnet, wenn man den oberen Teil als „Fenster“ nutzen will. Aber auch so reicht der Platz wunderbar. Der Rucksack wird einfach ein wenig auf die Seite geschoben und ein bisschen Ausrüstung kommt mit in das Innenzelt.

Bei mir überwogen aber trotzdem die tollen Eindrücke der Landschaft und der Sachen die wir bisher gemacht haben. Körperlich geht es mir bisher sehr gut. Es tut nichts weh, die Etappen schaffe ich gut und auch abends bin ich eigentlich nicht besonders stark erschöpft.

Tag 9: Eingang Litlstormdalen bis Hütte Nordre Stormdalen

In der Nacht hat es aufgehört zu regnen, aber der kalte Wind ist geblieben. Das Frühstück gab es deshalb erst einmal im Zelt.

Das Wetter war bewölkt, aber es regnete nicht. Zunächst ging es das Litlstormdalen oberhalb der Baumgrenze talabwärts entlang. Wir kamen gut voran und haben gegen Mittag das eigentliche Stormdalen erreicht. Die Samenkote auf der anderen Flussseite haben wir als evtl. Tagesende in Betracht gezogen, uns dann aber entschlossen, bis zur Hütte Nordre Stormdalen weiterzugehen.

Leichter gesagt als getan. Das Tal war dicht bewachsen und wir mussten uns durch absolut dichtes Gebüsch, Sträucher, Bäume, Pflanzen und Unterholz durchschlagen. Niko ging voraus und der Nachmittag bestand aus „Rambowandern“.

Es war sehr zermürbend und anstrengend auf der einen Seite, aber irgendwie auch ein bisschen ein Spaß auf der anderen. Die wenigen freien Flächen waren dann zu allem Überfluss auch noch Sumpf.

Irgendwann am Nachmittag erreichten wir das Søre Stormdalen, welches das Ende und die Position der Hütte markierte. Die Furt war leicht und schnell gemeistert, wir hatten inzwischen ja schon Übung. Die Hütte konnten wir dann mit einer kleinen Seilfähre leicht erreichen.

Die Hütte war für uns ein Traum. Genügend Betten für alle, zwei Räume mit Feuerstellen bzw. Öfen und jede Menge Brennholz. Pünktlich zu unserem Ankommen hat es dann noch kurz geregnet. Wir haben schnell die Hütte mit beiden Feuerstellen angeheizt, die Sachen zum trocknen aufgehängt und gemütlich gegessen. Bis hierhin, wir haben es ja als zwischenzeitliches realistisches Tourenziel ausgegeben, haben wir es dann eigentlich doch sehr gut geschafft.

Tag 10: Hütte Nordre Stormdalen bis bis Tespvatna

Wir haben am Vorabend beschlossen bis Lønsdal zu gehen.

Heute war für uns eine Premiere in Norwegen. Wir sind das erste Mal auf einem richtig angelegten Weg (nicht nur Markierungen) gelaufen. Das sollte auch bis zum Ende unserer Tour so bleiben. Der Weg war mehr ein Trampelpfad und das teilweise hüfthohe Gras tropfnass, aber das Vorankommen ging richtig gut. Wir haben am Vormittag noch ein paar Beerensammler getroffen. Die ersten Menschen seit vielen Tagen. Bei einer kurzen Pause in Mitten von Unmengen von Blaubeeren, haben wir uns dann auch dazu entschlossen welche zu sammeln.

Über teilweise sehr wackelige Hängebrücken haben wir die Bauernhäfe Bredek erreicht. Weiter sind wir dann dem Weg ins Tespdalen Richtung Saltfjellstua gefolgt. Stetig bergauf sind wir dem Pfad gefolgt und haben dabei noch weitere 6 Leute getroffen. Auch zwei sehr nette Norweger, die uns einen schneefreien Pass nach Lønsdal in Aussicht gestellt haben.

Am Nachmittag haben wir den Polarkreis überschritten!

Zum Tagesende zog es sich doch noch sehr. An der Tespahytta gab es leider keine geeignete Zeltmöglichkeit und so sind wir noch bis zu einem kleinen See (Tespvatna) weitergegangen. Nach 23km haben wir dann einen Platz gefunden. Weiter wäre es für uns heute auch nicht mehr gegangen!

Es war wieder einmal kalt und es wehte wieder einmal ein noch kälterer Wind. Nach dem Essen ging es gleich wieder in die Zelte.

Tag 11: Tespvatna bis Saltfjelstua

Die Nacht war mit -2,2 Grad unsere bisher kälteste. Der warme Schlafsack und die warme Isomatte haben sich richtig gelohnt! Ich konnte bisher jede Nacht gemütlich und auch warm schlafen.

In der Früh war der Wind zwar nicht mehr so stark, aber es war sehr nebelig und die Sicht war unter 50m. Frühstück gab es wieder einmal im Zelt. Die Stimmung war bei allen irgendwie ziemlich im Keller und so ging es, immer durch den Nebel, den Pfad entlang. Er sollte uns heute bis zur Saltfjellstua führen.

Der Pass war mit knapp 150hm (die meisten haben wir ja noch am Vortag gemacht) gleich geschafft. Die auf der Karte eingezeichnete Gefahrenstelle ist uns garnicht aufgefallen und wir kamen, inzwischen immer bergab, wieder gut voran.

Im Laufe des Vormittags hat es angefangen leicht zu regnen. Wir gingen etwas oberhalb des Flusses das Tal entlang und haben dabei immer wieder einen Hubschrauber, der vermutlich irgendwelche Hütten versorgte, gesehen. Er flog jedenfalls zwei Mal rauf und wieder runter an uns vorbei.

Weiter ging es durch sehr idyllische, schöne und lichte Birkenwälder. Wie im Märchenwald sah es hier aus und der Pfad schlängelte sich so bis zur Krukkistua. Die Landschaft hat sich inzwischen komplett verändert. Es ist nicht mehr so spektakulär und markant. Die Schönheit lag nun im Sanften. Alles sah sehr unberührt und friedlich aus.

An der Krukkistua machten wir kurz Mittag. Das Schild mit der Angabe von 5km bis zur Saltfjellstua hob auch wieder etwas die Stimmung.

Inzwischen leicht bergauf sind wir dann bereits gegen 14 Uhr an der Hütte angekommen. Und sie hat uns wahrlich von den Socken gehauen! Ein großer Raum mit Esstisch, einem Sofa, einer Küche und separaten Schlafräumen. Dank Solar gab es auch etwas Strom und ein Radio. Der Ofen war gleich angeschürt und wir beschlossen den morgigen Tag hier zu verbringen. Die Stimmung war inzwischen bei allen wieder hervorragend und am Abend haben Niko und ich begonnen dem Flo das Schafkopfen beizubringen.

Tag 12: In der Saltjfellstua

In einer warmen Hütte aufzuwachen, gleich den Ofen einzuheizen und Kaffee zu machen fühlt sich nach so vielen Tagen in der Wildnis wie purer Luxus an. Lange saßen wir am Frühstückstisch und haben einfach nur locker entspannt. Tut einfach gut, Wärme zu haben, einmal nicht alles packen zu müssen um loszulaufen.

Wir haben drei ausrangierte Angeln gefunden und sie mit unseren Angelsachen wieder hergerichtet. Voller „Petri-Heil-Gedanken“ ging es zum Fluss, um unser Mittagessen zu fangen. Hat leider garnicht geklappt. Nach 1:30 Std. ging es dann wieder zurück zur Hütte und es gab Rührei. Immerhin etwas Abwechslung zum alltäglichen Mittags Energycake-Riegel.

Das Wetter war super, kaum Wolken am Himmel und die Sonne hat es draußen sehr angenehm gemacht. Den restlichen Tag haben wir hauptsächlich mit lesen und Schafkopfen verbracht.

Tag 13: Saltfjellstua bis Kjemåvatnet

Unser letzter kompletter Wandertag ist heute gekommen. Früh waren wir wieder wach, haben noch einmal gemütlich in der tollen Hütte gefrühstückt, alles sauber gemacht und sind dann, bei immer besser werdendem Wetter, gegen 9 Uhr aufgebrochen.

Nach kurzer Zeit sind wir am Sødre Bollavatnet vorbei gekommen. Der Weg führte uns oberhalb des Sees vorbei und wir haben am Seeufer noch 5 Zelte gesehen.

Trotz einiger Höhenmeter bergauf ging es gut voran und wir haben recht bald das Steindalen erreicht. Es ist eine Art Hochplateau das, wie der Name schon sagt, aus lauter Steinen besteht. Das von Stein zu Stein gehen/laufen/springen kannten wir ja bereits vom Anfang der Tour. Das Wetter war inzwischen sonnig, der kalte Wind war allerdings wieder unser Begleiter. Wir erreichten bald den höchsten Punkt mit knapp 1050m, aber es zog sich. Naja, im Endeffekt ist es ein perfektes Trockentraining fürs Skifahren.

Im Steindalen machten wir Mittagspause. Am frühen Nachmittag war es dann endlich vorbei mit Steinen und wir folgten dem Weg zu unserem Tagesziel, dem Kjemåvatnet, einem See ca. 2km vor Lønsdal.

Gegen 15:30 Uhr waren wir dann auch schon da und ein Zeltplatz direkt am See war gleich gefunden. Flo und ich nutzten die Sonne noch und sprangen in den See! Sehr erfrischend und genau die richtige Belohnung für die Strapazen.

Mühsam haben wir dann einige Zeit ein kleines Feuer am brennen gehalten. Mal wieder wegen dem kalten Wind sind wir früh in die Zelte.

Die Etappe fühlte sich irgendwie die ganze Zeit wie der Weg zum Zug bzw. Hotel an. Wir freuen uns bereits alle wieder auf Zivilisation, Bier und Pizza!

Tag 14: Kjemåvatnet nach Lønsdal und mit dem Zug zurück nach Bodø

In der Früh haben wir uns sehr viel Zeit gelassen und erst noch die Zelte etwas in der Sonne getrocknet. Der kurze Marsch nach Lønsdal war gleich geschafft und wir waren gegen Mittag am Bahnhof.

Wir haben es geschafft! Wir waren stolz, glücklich und auch erleichtert!
Am Bahnhof mussten wir noch etwas auf unseren Zug warten und haben die Zeit mit schafkopfen verbracht.

Die Fahrt nach Bodø verging wie im Flug und zum Tourabschluss haben wir uns bei Pepe’s Pizza wieder richtig gestärkt.

Fazit:

Es war unsere erste Tour in Norwegen, die erste Tour in der Besetzung und die erste richtig große Tour abseits von Wegen und Markierungen. Die Vorfreude seit Beginn der Planung war riesig und wir konnten es alle kaum erwarten bis es losging.

Die ersten beiden Tage würde ich durchaus als extrem und auch in gewisser Weise als Grenzerfahrung einordnen. Es hätte doch sehr viel passieren können und uns haben so ziemlich alle möglichen Probleme auf einmal (und gleich am Anfang) erwischt. Hätten wir die Beschaffenheit und die Schwierigkeit der ersten Tage zuvor genau gewusst, wir wären wohl einen anderen Weg gegangen. Wir haben mit unserem Frust gekämpft, ihn überwunden und gerade deshalb tolle Erfahrungen gesammelt. Jetzt, drei Monate danach, sind wir alle der Meinung, dass sich auch gerade dieser Teil gelohnt hat. Es ist ja auch die Herausforderung, die uns an so etwas reizt.

Die Tour im Gesamten könnte man gut in zwei verschiedene Arten einordnen. Weglos und spektakuläre Natur im ersten Teil (bis Nodre Stromdalen) und Pfade und ruhige Schönheit im zweiten Teil. Aber will man das einordnen? Will man es kategorisieren? Nein. Man muss es erleben und fühlen. Jeder Tag und jeder Meter hatte seine eigene Schönheit, Leidenschaft und seinen Genuß. Und auch jeder Meter hatte sein eigens Paket an Qual. Eine Qual die schlimmer klingt als sie ist, weil sie sich lohnt. Solche Orte erreicht man nicht über den nächsten Parkplatz und nicht mal schnell von der Couch aus. Man muss sie sich erarbeiten und dann kann man sie genießen.

Vor der Tour habe ich auch eine ganze Menge an neuer Ausrüstung angeschafft. Das Robens Osprey 2 war als 2-Personen-Zelt eine super Lösung. Sicherlich nicht das leichteste Zelt, aber mit super Ausstattung und einer perfekten Größe. Einen richtigen Sturm hatten wir zum Glück nicht, aber mein Eindruck ist durchaus, dass es auch den sehr gut überstanden hätte. Ein kleineres Zelt wäre, gerade an den Abenden in denen wir früh ins Zelt sind, dann doch zu beengend gewesen. Der Robens Caucasus 600 Schlafsack hat mich auch super warm gehalten. Ich glaube ohne einen warmen Daunenschlafsack wäre diese Tour nicht möglich gewesen. Die Ausrüstung von Robens ist sehr zu empfehlen. Sie bringt die richtigen Eigenschaften für eine solche Tour mit und das zu sehr vernünftigen Preisen.

Je öfter ich bzw. wir über diese Tour erzählen, desto mehr wollen wir wieder los, mehr davon erleben. Und man merkt einfach immer wieder, dass sich nicht einmal 1/3 davon in Bildern, Videos, Berichten oder Erzählungen vermitteln lässt. You have to be there to believe it :-)

Ich hoffe mein Bericht liest sich unterhaltsam, weckt bei dem ein oder anderen Erinnerungen und bringt vielleicht auch Inspirationen für eigene Trips.

Unser nächstes Abenteuer wollen wir 2016 im August/September wieder starten. Wohin genau, das wird sich zeigen ...